Moshis alter Bahnhof

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Wer nach Moshi reist, sollte auch unbedingt einmal beim alten Bahnhof vorbeischauen. Sein Charme kommt nicht von unzähligen Fressbuden und sonstigem Schnickschnack, den man von Bahnhöfen gewohnt ist. Nein – der hier ist ganz besonders, denn der 1912 erbaute Bahnhof ist seit den Neunzigern für den Personentransport stillgelgt – kurz darauf auch für Frachttransporte. Jetzt ist er ein Weideplatz für Ziegen und Treffpunkt für die Jugend und alte Bahnmitarbeiter, die ansich immernoch bei der Bahn angestellt sind, aber unbezahlten Urlaub haben. …bis der Bahnverkehr wieder freigegeben ist.

Mimi
Wahrscheinlich kann man darauf aber genauso warten wie auf Regen in der Sahara. Der SWR hat hier eine ganz spannende Doku gedreht. Schaut vorbei! Er vermittelt ein recht realistisches Bild von der Situation des Schienenverkehrs in Tanzania. Leider macht er aber nicht deutlich genug, wie leichtgläubig manchmal die Leute sind: “Ein bisschen warten und alles wird gut – es ist uns ja versprochen worden.”

Als ich einmal mit einem Kumpel über den Bahnhof spaziert bin und ich ihn frug, ob er meint, dass die Züge hier jemals wieder verkehren, hat er ganz klar verneint. Auf meiner kleinen Fototour wurde ich allerdings von drei älteren Herren ganz herzlich aufgenommen, die mit mir quasseln wollten. Drei ehemalige Bahnarbeiter, die in ihrer Freizeit zu ihrer alten Arbeit zurückkehren und ihr gewohntes Umfeld genießen. Alle drei waren sich sicher, dass der Betrieb einmal wieder aufgenommen würde – sie klangen tatsächlich in etwa so, wie die Leute in dem SWR Beitrag.

Das Schlendern über den Bahnhof stimmt mich persönlich schon sehr melancholisch – überall liegen einzelne Bauteile rum, die Züge rosten vor sich rum, das alte Bahnhofgebäude zerfällt so langsam. Mich wundert es eigentlich, dass die einzelnen Bauteile nicht in nächtlichen Aktionen gestohlen werden – man könnte sie doch irgendwie verwenden?!

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Was übrigens wirklich süß ist, sind die Übersetzungen der einzelnen Begrifflichkeiten. Der “Station Foreman” ist dann eben der “Steshen Foamen” und der “Station Master” der “Steshen Masta”. 😀
Ich hatte kürzlich ein Englischlehrbuch in der Hand, wo immer erst der englische Text geschrieben war, dann die Aussprache und dann die Kiswahil-Übersetzung. Aus “Many Tanzanians don’t speak standard english.” wird dann beispielsweise Mani Tanzaniansi donti spiki standadi inglishi”. I <3 it!
Stesheni

Steshen

 

 

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Written by Janine

Überallschlafenkönnerin, Ethnologiestudentin, Tansaniafan, Partymaus, Speisegeek, Teilzeit-Tusse, Vollzeitfeministin, Reiselustigste, Backsteinliebhaberin

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