Lissabon- gibt’s das auch mit Strand?

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Zugegebenermaßen habe ich mir diese Frage erst gestellt, als ich bereits den zweiten Tag in Lissabon war. Frisch aus Barcelona eingetroffen, wo mein Freund die Rolle des Tour Guides übernahm, ließ ich meine Tage in Portugals Hauptstadt einfach mal auf mich zukommen. Als jedoch mein Eis in Sekundenschnelle schmolz, mir jedes Stück Textil zu viel war und ich den Drang hatte, mir alle 5 Minuten  mein Deo auch ins Gesicht zu sprühen, war es an der Zeit sich die Frage zu stellen: Wo geht’s hier zum nächstmöglichen Strand???

Ja, die Antwort ist: Es gibt keinen Strand in Lissabon! Zwar sieht man fast von überall (unzähligen Hügeln sei dank) den Hafen, doch wer keine Lust hat, neben Containerschiffen zu schwimmen, muss ersteinmal zum Hauptbahnhof Cais do Sodré.

Lissabon Zentrum

Schöne Architektur. Schönes Wassser. Kein Strand

Von dort aus nimmt man dann den Regionalzug nach Cascais und fährt quasi neben dem Tejo in Richtung Atlantikmündung. Das Gute ist: Man hat die Quahl der Wahl. Wer es nun ganz eilig hat, der steigt mit seiner Kühlbox und dem Bodyboard in Carcavelos aus. Wir haben es uns in Cascais und Guincho gemütlich gemacht, doch dazu später mehr.

Carcavelos

Für: Bodyboarder, Promenadenbummler, Surfer, Ungeduldige

Hübsch anzusehen ist der lange Sandstrand allemal: Wellen, Promenadenrestaurants, Kühlboxen und viele Sonnenschirme- hier gibt es alles. Ach ja und einen großen Parkplatz hat der Strand auch. Wer auch mal wilde Wellen mag, dennoch aber auf den üblichen Frittierfettgeruch (aka Pommmeess), der von der Promenade weht, nicht verzichten möchte, sollte hier aussteigen.

Estoril

Für: Freunde des Glückspiels, Jogger, Kommunikative, ZDF Adelsexperten, Flachwasserplanscher

Einst nur vom Adel besucht, ist das Städtchen Estoril heute ein äußerst beliebtes Strandziel der badewütigen Großstädter- so beliebt, dass der Küstenabschnitt um Estoril gleich in “Costa do Estoril” benannt wurde. Möchte man ein wenig den luxuriösen Flair vergangener Tage spüren, auf den Spuren von James Bond wandeln oder einfach nur den vielen Joggern am Strand zusehen: Dann ist man in Estoril richtig! Der wohl bekannteste Strand des Ortes ist der Praia do Tamariz. Dort reiht sich Sonnenschirm an Sonnenschirm, man hat Mühe sein Handtuch wiederzufinden und man schaut öfters auf Betonklötze (aka “””Luxus”””hotels). Die Besonderheit des Örtchens ist sicherlich sein strandnahes Casino, welches so gleich an Casino Royale erinnert. Falls der Strand zu sehr an eine Sardinendose erinnern sollte, geht ihr einfach ein Stückchen in Richtung Cascais. Der Weg wird von vielen ehemaligen Adelsresidenzen und Cafés gesäumt.

Cascais

Für: Stadtschlenderer, Sonnenanbeter, Kommunikative, Eisliebhaber (!!)

Estoril ist aufgrund des Wassers ohne Wellen bei Familien sehr beliebt. So auch Cascais. Man setzt sich einfach in Lissabon in den Zug, fährt 40 Minuten und steigt an der Endhaltestelle aus. Keine 5 Minuten dauert es, bis man vom Hauptbahnhof zum Strand gelaufen ist. Auch hier hat man eher kleine Strandabschnitte als einen durchgängigen, kilometerlangen Sandstrand.

Als wir uns auf den Weg zum Strand gemacht haben, hatten wir Glück, dass an diesem Tag eine Flugzeugshow war. Okay, Flugzeugshows interessieren mich so sehr wie (hier bitte etwas äußerst langweiliges einfügen) aber das Tolle war, dass man Hin-und zurück für gerade mal 1 Euro (!!) kam! Aber auch sonst ist das Zugfahren in Portugal wirklich sehr erschwinglich. Läuft man gen Strand, kann man auch hier schon von weitem Handtücher in allen Farben und Nuancen sehen. Portugisisch hört man auch nicht sonderlich oft, dafür aber alle anderen Sprachen (auch “mal” deutsch). Der Atlantik ist wirklich erfrischend (will sagen: kalt) und ist natürlich nicht mit den wohlig warmen Mittelmeertemperaturen zu vergleichen. Nachdem wir ganze zwei mal im Meer geplantscht haben, liefen wir noch ein wenig durch das Städtchen. Unser eigentliches Ziel war der Wildstrand Guincho, doch da Cascais wirklich gemütlich aussah, bummelten wir noch ein wenig durch die Straßen.

cascais

mi casa. (I wish)

santini cascais

10 Minuten pures Glück im Retrodesign

Belohnt wurde das mit dem Finden er besten Eisdiele der Welt. Die Rede ist von dem wohl berühmten Gelados Santini! Probiert unbedingt das Fruchteis- sowas habe ich wirklich noch nie gegessen. Eine Kugel kostet 2,60- aber ich würde auch 5 Euro zahlen! Ich dachte die Eisdielen in München wären recht gut, aber im Vergleich sind sie eher unterirdisch nur ganz passabel. Mit dem göttlichen Restgeschmack im Munde, suchten wir die Bushaltestelle, die sich gemeinerweise ziemlich versteckt hinter einem Einkaufszentrum befand. Dem Plan zufolge fuhr der Bus zum 6 km entfernten Guincho in… 1 1/2 Stunden. Juhu! Also platzierten wir unsere Häupter einfach auf dem Rasen vor dem Einkaufszentrum und…lungerten rum. Dann kam der Bus und es wurde etwas abenteuerlich.

Guincho

Für: Naturliebhaber, Surfer, Mutige, Geduldige

Wir saßen im Bus und konnten mit Hand- und Fußgesten die Sprachbarriere um einige Zentimeter senken. So far so good. Das es weder Ansagen, Schilder, noch sonstige aktuelle Lokalisierungshinweise gab, störte uns nicht, denn “wir werden ja schon sehen wann wir raus müssen”. Not! Mit dem Wissen, dass der Strand nur 6 km von Cascais entfernt sein soll, saßen wir schon 25 Minuten zu lange im Klapperbus. Zum Glück saß hinter uns eine ältere Lady aus New York ( die schon seit über 20 Jahren im portugiesischen Hinterland wohnt), die uns sagen konnte, dass der Bus schon nach Guincho fährt, es jedoch noch etwas dauert. Auf portugiesisch erklärte sie einer in der Nähe sitzenden Frau, dass sie uns sagen solle, wann wir aussteigen müssen.

Good! Nun standen auf einer sehr spärlich asphaltierten Straße und konnten nun endlich den schönen Ausblick genießen. Zeitgleich schoss uns aber auch die Frage durch den Kopf: Kommen wir hier heute eigentlich wieder weg?

Guincho Surfen

Der Ausblick von der Bushaltestelle.Not too bad!

 

Ja, das kamen wir. Aber einfach wieder an die Haltestelle stellen und abfahren, ist nicht! Nach ein paar Stunden des total irren  mutigen Surfer Beobachtens, irrten wir eine Weile umher und gelangen an eine andere, ähnlich schöne Haltestelle. Das Schild quietschte im Wind, Fahrpläne gab es nicht- aber immerhin ein anderes, wartendes Pärchen. Die wollten auch wieder zurück, saßen aber ihren Gesichtsausdrücken nach, schon eine ganze Weile dort. An fahrbahren Untersätzen hätten sie einige gesehen, aber keinen Bus. Good! Immerhin hatten wir so noch etwas extra Zeit, die schöne Aussicht zu genießen. Als mich mein Freund schon fast überredet hatte, mit ihm eine Runde Frisbee zu spielen (nach ca.80 Minuten), kam das Vehikel endlich. Wir baten um ein Ticket, der Busfahrer nahm knurrend das Geld entgegen und deutete auf die Sitze. Eine Mitfahrerin erklärte uns, dass die Busse in der Zwischenzeit einfach nicht gekommen sind und wir Glück haben, dass der letzte Bus noch fuhr. Ja, well.

Travel on
everyminute4

Gut 2 Stunden später waren wir wieder  an der Praça dos Restauradores, im Zentrum von Lissabon. Mitten im vertrauten Stimmenwirrwarr und der erneuten Frage, ob wir Hasch wollen. Wer also nach Guincho will, sollte nicht erst den Bus um 5 dorthin nehmen. :-)

 

 

 

 

Bilder: (c) Winkeljournalisten

 

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Written by Lyma

Lyma= die größe Faultierliebhaberin, reisesüchtig, designverliebt, Palmenfan und Japanbesessen. Du willst mehr Infos und wissen, was ist ein Winkeljournalist ist? Dann klick auf "Wer sind wir" :)

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