Japan Knigge:Todsichere Wege sich in Japan zu blamieren

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“Schämst du dich schon oder blamierst du dich noch?” ist wohl eine berechtige Frage im Land der aufgehenden Sonne. Die Blamage kann einen jederzeit und allenorts ereilen- egal ob bei der Begrüßung, beim Essen, am Telefon, beim Fragen oder einfach nur…beim Rumstehen! Selbst wer meint durch inflationäres Komplimente verteilen und Dauerlächeln besonders höflich zu wirken, bewegt sich auf dünnem Eis . Da die Liste der Fauxpas nahezu unendlich scheint, gibts gleich mehrere Teile der Fernost Blamagebibel. In dem Sinne: Frohes Fremdschämen mit Teil 1!

Bevor ich nach Japan flog, wollte ich so unauffällig wie möglich sein. Ich wollte nicht der stereotypische Westler sein, der sich nicht zu benehmen weiß oder der einfach keinen Wert auf gute Manieren legt. Da ich während meines Studiums in Norwegen die Wohnung mit Japanern teilte und wir uns sehr oft über die kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten ihres Heimatlandes austauschten, dachte ich mein Vorwissen über Japan sei gar nicht so schlecht. Einige Monate bevor ich dann meinen Koffer packte, besuchte ich sogar einen Japanischkurs und wälzte den einen oder anderen Etikettenguide. Aber was hat es genützt? Nüscht!

Die Begrüßung: Konnichi wa… -san?chan?sama?kun?sensei?

Ja, das ist eine kleine Auswahl von ergänzenden Endungen, die man an den Familiennamen (die übliche Anredeform in Japan) hängt. Lernt man gerade jemanden in einer Alltagssituation kennen, liegt man mit der Endung san meistens nicht ganz falsch. Man könnte annehmen, dass sie dem deutschen “Herr /Frau Soundso ” entspricht, doch schwingt ein bisschen mehr Respekt bei dieser Anredeform mit. Das ist auch der Grund warum man sich selbst immer ohne (!) Endung vorstellt. Hat man mit einem Vorgesetzten, einem Professor, einem Arzt oder anderen Personen, deren Jahresgehalt über gefühlten 90.000 liegt, zu tun, drückt san zu wenig Respekt aus. In solchen Situationen kommt die Endung “sensei” an den Nachnamen. Die wohl schlimmste Endung, die man für eine hierachisch übergeordnete Person wählen kann, ist chan. Chan verwendet man für alle(s), die/das man verniedlichen möchte- meist sind das Babies, kleine Kinder, süße Mädels und Pokemon. Wer eine vollständige Übersicht über die japanischen Anredeformen sehen möchte, wendet sich an die Online Enzyklopädie seines Vertrauens (den Wikilink gibs hier)

fish says no

Kein “chan” für diesen Fisch.

Okay, hat man es geschafft die richtige Anredeform zu wählen, folgt nun eine Begrüßungsgeste. Das allerschlimmste NO GO wenn man den unzähligen Guides Glauben schenken mag, ist wohl der Handschlag. Wahrscheinlich ist es in der Tat unhöflich wenn man seinen Geschäftspartner mit einer teutonischen Prankenzwinge beherzt begrüßt, doch konnte ich im Alltag oft beobachten, dass Japaner Westlern oft von selbst die Hand anbieten. Einfach abwarten was das Gegenüber tut und ihr seid so gut wie save.

Todsichere Wege sich bei der Begrüßung zu blamieren:

  • sich selbst mit einem Namenssuffix vorstellen (am Schlimmsten ist sama– so wird nur der tennô, der Kaiser, angesprochen)
  • sich weder kurz verbeugen noch die Hand geben

Wie ich es geschafft habe: Natürlich habe ich mir vorgenommen die Namensänderungen noch vor Reisebeginn drauf  zu haben und habe versucht sie sehr genau zu verinnerlichen. Fail! Fremde konnte ich meistens noch ganz gut einschätzen, bei Freunden und Bekannten allerdings kam ich oft durcheinander. Natürlich waren/sind diese auch zu höflich, drauf hinzuweisen wenn man eine Endung falsch benutzt- von daher werde ich es wohl nie erfahren wie oft ich mich schon blamiert habe :D.

It’s dinner time oder: Blamage geht durch den Magen

sushi fail Todsichere Wege sich am Esstisch zu blamieren:

  • die Stäbchen senkrecht in sein Mahl zu stecken ( das erinnert an das buddhistische Ritual zum Gedenken der Toten)
  • jemanden mit dem Stäbchen etwas zum Kosten reichen (ebenfalls ein buddhistisches Totenritual)
  • seine Stäbchen zerbrechen (jackpot, Lyma, jackpot!)
  • Trinkgeld geben (das ist in Japan automatisch im Preis enthalten (Trinkgeld zahlen zu wollen gilt schon fast als Beleidigung- egal ob im Restaurant, im Taxi, beim Friseur usw)
  • Sushi mit Stäbchen essen (wird traditionell mit den Händen gegessen)
  • sich selbst Alkohol nachschenken (Jeder Japaner wäre wohl beleidigt, denn es gilt als Zeichen der Gastfreundschaft und des Respekts seinen Gästen aufmerksam nachzuschenken)
  • die Suppe nicht lautstark schlürfen (auch wenn die Japaner sonst eher ein Stille liebendes Volk sind, gilt das nicht beim Verzehr ihrer Suppen. Als Westler wird man es euch nachsehen wenn ihr nicht schlürfen wollt, aber ihr solltet nicht über den Geräuschpegel in den vielen kleinen Imbissen überrascht sein)

Wie ich es geschafft habe: Es geschah in einem Restaurant mit Blick auf die Rainbow Bridge. Dort gab es die Option á la carte oder vom Buffet zu essen (ja ratet mal welche Option es bei mir gab..nomnomnom). Als wir dann beim Schokofondue ankamen, passierte es ganz ohne Vorwarnung: Meine Stäbchen zerbrachen! Wahrscheinlich haben sich die anwesenden Gäste am Dinnertisch auch “oh man…” gedacht, als ich mich weigerte Krebsgedärm zu essen.

 Vom Versuch japanischer als Japaner zu sein

Todsichere Wege sich permanent zu blamieren:

  •  die Verbeugung des Begrüßungspersonals erwidern oder gar ein Gespräch anfangen (diese Übermotivation einiger Westler wird sehr belächelt)
  • sich mit jedem, der ein Gespräch beginnen möchte, unterhalten ( besonders meine ich damit höfliche Frauen, die mit creepy guys aus falscher Höflichkeit nicht abwimmeln. Japaner sind Meister im Ignorieren von unangenehmen Situationen. La La La, I am not here, La La La)
  • sich permanent und wegen allem zu entschuldigen (einmal reicht! Übermäßiges Entschuldigen nervt global)

Wie es ich geschafft habe: siehe Punkt 2. Dieser “nette” Herr hat uns gut 2 Stunden im Osaka Castle verfolgt und versucht uns mit Schmuck und Süßkram zu überhäufen….. creepy old japanese dude

Unterwegs mit den Öffentlichen

Todsichere Wege sich im Bus, Bahn & Co. zu blamieren:

  • in sein Telefon brüllen ( “WAS? WAS hast du gesagt?” Mitmenschen, die mit gefühlten 130 Dezibel in ihr Handy plärren, nerven überall. Doch besonders im  japanischen Alltag, der hektisch und sehr arbeitsintensiv ist, haben Verkehrsmittel oft die Funktion eines Spas)
  • sein Handy nicht auf “silent” schalte ( Ruft gerade die Mama aus Deutschland an, um zu erzählen, dass Hamster Rudi gestorben ist, antwortet man sehr sehr leise, mit vorgehaltener Hand und beendet das Gespräch lieber zügig)
  • Lautes Musik hören ( Aus den bereits genannten Gründen ebenfalls ein Tabu!)
  • sonstige No Go’s: Athletische Turnübungen an den Griffen durchführen, mit dem Regenschirm Golf spielen, Grapschen, (Halloween) Party feiern (“Please do it in America” sagt das Warnschild), sich gegenseitig füttern usw. usw.Ihr glaubt mir nicht? Dann schaut euch mal diese 36 Schilder mit amüsanten Verhaltensregeln der Tokyo Subway an!

Wie ich es geschafft habe:

ubahn

Leise aber ohne Hose unterwegs

(just kidding)

So Leute, das wars mit dem ersten Teil der Fernost-Blamagebibel. Der Zweite Teil wird nicht lange auf sich warten lassen, die Liste ist lang :-D. Delphinreiten

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Written by Lyma

Lyma= die größe Faultierliebhaberin, reisesüchtig, designverliebt, Palmenfan und Japanbesessen. Du willst mehr Infos und wissen, was ist ein Winkeljournalist ist? Dann klick auf "Wer sind wir" :)

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